Renaissance Laute mit 10 Saiten (einzel) für Continuo?

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Pachomius
Groß-Brummer
Beiträge: 1
Registriert: Mi 31. Jul 2024, 15:11
Name: Patrick Hanft

Renaissance Laute mit 10 Saiten (einzel) für Continuo?

Beitrag von Pachomius »

Liebes Forum,

ich möchte gerne um eure fachliche Einschätzung bitten.

Ich singe und begleite mich auf der Gitarre bevorzugt bei evangelischen Kirchenliedern und orientiere mich dabei an vierstimmigen Choralbüchern. Seit einiger Zeit beschäftige ich mich zudem mit dem Basso Continuo auf der Gitarre, unter anderem mithilfe des Lehrbuchs von Peter Croton, und erlebe das Continuospiel als außerordentlich fruchtbar und musikalisch bereichernd.

Für Lauteninstrumente interessiere ich mich schon seit Längerem. Meine Gitarre spiele ich auf 415 Hertz und ohne Fingernägel. Im vergangenen Sommer hatte ich außerdem die Gelegenheit, mir eine Barocklaute auszuleihen und mir darauf die grundlegenden Spieltechniken anzueignen. Dabei bin ich für mich zu dem Schluss gekommen, dass die Barocklaute vermutlich nicht das richtige Instrument für mich ist. Zum einen bin ich mit der d-Moll-Stimmung nicht wirklich warm geworden, zum anderen entsprechen mir Einzelsaiten klanglich stärker als Chöre, zumindest im Hinblick auf die Continuobegleitung.

Mit der Gitarre bin ich grundsätzlich zufrieden. Besonders schätze ich ihre Tragfähigkeit und Lautstärke, etwa beim gemeinsamen Singen in Andachten mit vielen Menschen. Gleichzeitig vermisse ich seit der Rückgabe der Leihlaute den zarten und feinen Klang von Darmsaiten ohne Umwicklung. Hinzu kommt, dass die Gitarre keinen tiefen C- oder D-Ton zur Verfügung stellt, was beim Continuospiel ein Nachteil sein kann.

Vor diesem Hintergrund überlege ich, ob eine zehnsaitige Renaissancelaute mit Einzelsaiten bei 415 Hertz für mich ein geeignetes Instrument sein könnte. Eine Inspiration ist für mich unter anderem Thomas Dunford, der auf einer Erzlaute mit Einzelsaiten spielt. Um das Instrument spieltechnisch überschaubar zu halten, würde ich mich zunächst bewusst auf zehn Saiten beschränken. Historische Korrektheit ist für mich dabei nachrangig. Mir geht es vor allem um eine möglichst einfache und praktikable Möglichkeit, Continuo zu spielen, mit erweitertem Bassumfang und ohne umsponnene Saiten.

Bevor ich diese Idee weiter verfolge oder konkret nach einem Instrument suche, möchte ich gerne eure Einschätzung hören. Haltet ihr dieses Konzept für sinnvoll, oder seht ihr darin gravierende Nachteile oder Probleme, die ich derzeit möglicherweise übersehe?

Herzliche Grüße
Patrick
Tedesco del Liuto
Groß-Brummer
Beiträge: 11
Registriert: Do 15. Sep 2022, 09:46
Name: Joachim Lüdtke

Re: Renaissance Laute mit 10 Saiten (einzel) für Continuo?

Beitrag von Tedesco del Liuto »

Hallo Patrick,

bleiben Sie doch lieber einfach bei der Gitarre, dann geht nicht noch ein unglückliches Mischwesen umher, das eigentlich chörig besaitet sein sollte, dem dies aber verweht ist, und dass eigentlich von Stimmtonkonzepten einer vergangenen Zwischenzeit frei sein möchte, dem diese Ketten aber angelegt werden. Es gibt immer wieder Kompromiss-Bauten, Zwischenwesen oder auch Reforminstrumente, aber wozu? Wenn es um die individuellen Interessen und Bequemlichkeiten geht, warum dann in einem Forum um Rat fragen, dass doch eigentlich auf die historischen Lauteninstrumente zielt, nicht auf Dinger zwischen den Dingen? Eine Renaissancelaute, die keine Renaissancelaute ist, kann genau so gut 60 Saiten und fünf Resonanzkalebassen haben wie drei Saiten und ein Korpus aus einem Schildkrötenpanzer.
Bei der Gitarre bleiben, würde viel Ersparnis bedeuten. Andererseits: eine zehnchörige Renaissancelaute im eigentlichen Sinne wäre eine Herausforderung, die anzunehmen zu einem überaus erfreulichen, atemberaubenden und horizonterweiternden Abenteuer führen könnte.

Just my Pennyworth
Gioacchino detto Il Tedesco del Liuto
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