… und nun Bach

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Roselli
Mittel-Brummer
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… und nun Bach

Beitrag von Roselli » Di 9. Aug 2011, 15:57

Nach Aufnahmen mit Musik von Corelli („Corelli à la mode“) und von Händel („The Gentlemen’s Flute“) hat Stefan Temmingh nun eine CD mit Musik für Blockflöte von Johann Sebastian Bach vorgelegt ("Französische & Englische Suiten", CD). Blockflötisten stehen freilich vor einem Problem: Der große Komponist hat für das kleine Instrument keine Solomusik geschrieben. Wer trotzdem solistisch auf der Blockflöte Bach spielen möchte, ist mithin auf Bearbeitungen angewiesen.

Das sollte angesichts der musikalischen Struktur barocker Musik und der Besetzungspraxis des 17. und des 18. Jahrhunderts keine Schwierigkeiten machen. Das Neue an der Musik des Barock war ja, dass der Bass nun als Fundament diente, über dem eine oder mehrere Oberstimmen melodisch geführt werden, während die Mitte harmonisch gefüllt wird. Melodie-Instrumente sind austauschbar, ebenso Fundament- oder Harmonie-Instrumente (Orgel, Cembalo, Theorbe, Laute, Gitarre).

Zwar haben sich gewisse Gepflogenheiten herausgebildet. Bei kirchlicher Musik kommt als Fundamentinstrument eher die Orgel in Betracht als das Cembalo oder die Gitarre. Dennoch gibt es weltliche Barockmusik für Orgel und geistliche Lieder mit Gitarre-Continuo. Die Laute als Fundamentinstrument verträgt sich mehr schlecht als recht mit lauten Bassinstrumenten wie Cello oder Violone, dafür aber leidlich mit der Gambe.

Doch ist den historischen Beispielen nach so ziemlich alles erlaubt, was gelingt und gefällt. Deshalb hat Stefan Temmingh es durchaus nicht nötig, seine Bearbeitungen zu rechtfertigen oder gar zu verteidigen. Zumal nicht, nachdem er mit so kongenialen Partnern wie Axel Wolf (Laute) und Domen Marinčič (Viola da Gamba) eine musikalisch so überzeugende Aufnahme vorgestellt hat.

Das gewählte musikalische Material sind die Cembalosuiten BWV 806, 814 und 816, die immer noch als „Französische“ bzw. als „Englische“ Suiten firmieren, obwohl sie weder an französischen noch englischen, sondern ganz an italienischen Modellen orientiert sind. Die Uminstrumentierung war denn auch keine besondere französische, sondern ebenso gut italienische oder deutsche – einfach europäische barocke Praxis.

Wie gut diese Musik aber mit Blockflöte, Laute und Gambe klingt und singt und schwingt, das ist wahrlich eine wunderbare Entdeckung, die wir Temmingh, Wolf und Marinčič zu danken haben. Hier haben drei Vollblut-Musiker von dem Reichtum der gründlichen Bachschen Kompositionsweise geerntet und Musik für Cembalo solo zu Generalbassmusik umgearbeitet. Die Mühe hat sich wirklich gelohnt!

Was ich an dieser CD besonders schätze, ist aber dies, dass es keine reine Solisten-CD geworden ist. Auch Laute und Gambe stellen sich solo vor oder im Duett ohne Blockflöte. freilich wiederum mit Bearbeitungen. Die Gambe trägt ein „Pedal-Exercitium“ vor, also ein Übungsstück für die Orgel, das jedoch so voller Musik steckt und so wenig an ein Übungsstück erinnert, dass es sich eher anhört wie eine Toccata.

Und das bekannte Präludium aus der Violin-Partita BWV 1006a hört sich bei Axel Wolf unangestrengt und leicht und zugleich farbig und enorm lebendig an. Das dürfte einerseits der Transposition von E-Dur nach D-Dur geschuldet sein, in eine Tonart also, die auf der Laute wesentlich bequemer liegt. Der Hauptgrund aber ist in Axel Wolfs souveräner Ruhe zu suchen, mit der er die Musik atmen lässt.
Viele Grüße

Mathias

fmueller
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Kircher

Beitrag von fmueller » Mo 30. Apr 2012, 08:13

Lieber Matthias,
Ich hoffe es geht dir gut.
Musste gerade an Kircher denken.
Hast du die Ausgabe schon gefunden?
Hier ist mein Link:
http://imgbase-scd-ulp.u-strasbg.fr/dis ... =566&pos=4
Liebe Grüße
Yvonne & Frank

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