Silvius Leopold Weiss: Ars Melancholiae - Lautenwerke (Audi

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Roselli
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Silvius Leopold Weiss: Ars Melancholiae - Lautenwerke (Audi

Beitrag von Roselli » Mi 18. Aug 2010, 23:06

Lautenmusik von S. L. Weiss ist ein Muss für Barocklautenisten, vergleichbar vielleicht mit Bach für Klavierspieler. Es geht bei neuen Aufnahmen nicht so sehr darum, etwas Neues zu präsentieren, sondern um eine neue Interpretation. Moreno hat hier also seine Sicht auf Weiss präsentiert. Ich finde, man kann deutlich die Tradition hören, aus der Moreno stammt: die Tradition der klassischen spanischen Gitarre mit ihren Granden Tarrega, Segovia, Los Romeros uvm. Es geht hier um die vollkommene Beherrschung des Tones und der Klangfarbe. Das widerspricht allerdings ein bisschen den Gepflogenheiten der aus der französischen Barockmusik geborenen Barocklautenmusik mit ihren vielen kleinen Spitzen und Rüschen, ihren akustischen Täuschungen. Weiss hat zwar das italienische Moment der Musik stark aufgenommen (Corelli, Scarlatti), aber großgeworden ist auch er in der französischen Schule. Moreno hat ihn aus meiner Sicht also verfremdet, ob bewusst und absichtlich oder nicht. Dazu zählt auch der Titel "Ars Melancholiae", die Kunst der Schwermut. Bei John Dowlands oder Robert Johnsons Epoche würde ich das sofort verstehen, da war Melancholie en vogue. Zu Weiss' Zeit aber schon lange nicht mehr, da war die Mode "galant". Aus meiner Sicht verfremdet Moreno seinen Komponisten hier also. Das Ergebnis ist aber trotzdem durchaus anhörbar.
Viele Grüße

Mathias

ENNEMOND2
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Re: Silvius Leopold Weiss: Ars Melancholiae - Lautenwerke (A

Beitrag von ENNEMOND2 » Sa 31. Jan 2015, 17:34

Ich stimme zu. Moreno spielt zu "weich". Der beste Weiss-Interpret ist meiner Meinung nach Barto, der einfach den
"körnichten" (wie Weissens und auch Bachs Stil damals manchmal bezeichnet wurde) Charakter von Weiss sehr gut trifft, ein gutes Instrument spielt, einen Anschlag hat, der "knackig" genug ist. Aber auch bei so guten Spielern wie Barto wäre noch was zu verbessern - z. B. könnte er den Anschlag noch mehr variieren (z. B. in Sarabanden manchmal weicher, i. e. näher an der Rosette), die Wiederholungen freier auszieren/variieren (auch wohl manche notierten Verzierungen ERST in den Wiederholungen spielen). Ich liebe auch die alte Aufnahme von Junghändel bei EMI - Junghändel hätte wietermachen sollen mit Weiss! Die alte Hoppy-Aunahme auf der originalen Widhalm ist natürlich schon vom Instrument her interessant. Übrigens - welche Art von Instrument hätte Weiss wohl für das Solospiel bevorzugt? - Vielleicht eine Schelle? Da sind doch noch 13-chörige Lauten aus der Lobkowitz-Sammlung erhalten - gibt's da nicht einen Bezug zu Weiss?
Ob er eine Schwanenhalslaute überhaupt für das Solospiel eingesetzt hätte? Gibt's da Quelleninfos dazu?

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