Fingersatz für die Anschlagshand (Barocklaute)

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mwx
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Fingersatz für die Anschlagshand (Barocklaute)

Beitrag von mwx » So 6. Mär 2011, 10:30

Mit der Renaissancelaute kann man den Fingersatz für die rechte Hand so nehmen, daß bei betonten Zählzeiten mit Daumen oder Mittelfinger angeschlagen wird, sonst Zeigefinger oder seltener Ringfinger. Mit der Barocklaute und Barockmusik ist das wegen größerer Entfernung der tieferen zu den höheren Saiten häufig nicht gut.
Kann mir jemand Regeln beschreiben, wie in Tabulaturen für Barockmusik die Punkte als gute Spielhilfe gesetzt werden sollten? Dann kann ich sie für meinen Tabulatureditor anwenden, den ich von WordPro nach OpenOffice übertragen will.

Schwanenhals
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Re: Fingersatz für die Anschlagshand (Barocklaute)

Beitrag von Schwanenhals » Mo 7. Mär 2011, 09:52

Finger der rechten Hand werden bei der Barocklaute üblicherweise nur in Ausnahmefällen notiert, z.B. wenn der Zeigefinger schnell über zwei Saiten wischen soll oder der dritte Finger zum Einsatz kommt. Auch pipi-Wechselschlag gehört eigentlich nicht mehr zur Anschlags-Repertoire, obwohl hier und dort einsetzbar und bei den frühen Franzosen rudimentär noch vorhanden. Das hat nicht nur mit den Abständen zu tun, sondern auch mit der Art der Musik an sich. Die Notation ist dann sehr ähnlich wie bei der Gitarre:

Strich unter dem Buchstaben = Dauman
Ein bis drei Punkte = Erster bist dritter Finger

Ob das in Deinem Editor so geht, weiß ich allerdings nicht.

mwx
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Re: Fingersatz für die Anschlagshand (Barocklaute)

Beitrag von mwx » Mo 7. Mär 2011, 17:25

In der Tat, der Unterschied von Renaissance- zu Barockmusik ist groß.

Gibt es eine Regel oder Gewohnheit für die Barocklaute, auf betonten Taktteilen den Mittelfinger zu nehmen und auf unbetonten den Zeigefinger (oder umgekehrt)?

Elias Mertel in Hortus Musicalis (um 1560 bis 1626, für die 10 ch. Renaissancelaute) schreibt noch alle Stücke mit Fingersatz, in sehr unterschiedlicher Logik, so daß es mir sehr schwierig und anstrengend fällt, danach zu spielen.
Historisch gab es sicher keine Konstanz und ich suche eher den besten Weg und meine, ihn für die meiste Renaissance-Lautenmusik (99%) auch gefunden zu haben.

Ich finde, wenn der Fingersatz beim Lautenspiel Regeln folgt, braucht man 1. weniger Zeit, ein neues Stück zu lernen und kann 2. ökonomischer spielen. Denn sucht man die Finger gewissermaßen in Echtzeit während des Spiels, kommen häufiger Fehler vor und wird das Tempo schwanken. Denkt man in Sequenzen oder Phrasen, muß man diese zumindest vor dem Ausführen übersehen haben.

Verwenden Konzertlautenisten beim Vortrag immer den selben Fingersatz (nicht notiert?) für die Anschlagshand?

Melante
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Re: Fingersatz für die Anschlagshand (Barocklaute)

Beitrag von Melante » Mi 9. Mär 2011, 13:55

mwx hat geschrieben: Gibt es eine Regel oder Gewohnheit für die Barocklaute, auf betonten Taktteilen den Mittelfinger zu nehmen und auf unbetonten den Zeigefinger (oder umgekehrt)?

Ich finde, wenn der Fingersatz beim Lautenspiel Regeln folgt, braucht man 1. weniger Zeit, ein neues Stück zu lernen und kann 2. ökonomischer spielen.
Das schwer/leicht Gefälle gibt es in Barockmusik natürlich auch und wird dort auch noch stärker durch unterschiedliche Längen gleicher Notenwerte hervorgehoben (Reusner schreibt 1676, das sei eine neue Mode, aber andere Quellen aus dem 16. Jh. geben das schon als als die Regel an).

Interessant und nützlich finde ich in manchen Manuscripten (z.B. Barbe) die Angaben, dass bestimmte Noten mit dem Daumen anzuschlagen sind, obwohl man spontan (ohne diesen Hinweis) wohl den Zeigefinger verwenden würde. Der Daumenanschlag führt dann (vor allem gefühlt, aber natürlich auch klanglich) zu einer anderen Stimmführung.

Bezüglich des Fingersatzes scheint es mir so zu ein wie bei vielen motorischen Fertigkeiten: solange man nicht drüber nachdenkt, ist es kein Problem, denkt man drüber nach, kommt man nur noch inst Stolpern...

Christoph

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