Stimmung , Saiten aufziehen und Wirbelseife

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EkkehardUlrich
Groß-Brummer
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Re: Stimmung , Saiten aufziehen und Wirbelseife

Beitrag von EkkehardUlrich » Fr 25. Mär 2016, 13:22

Hallo Nairolf!

Es tut mir Leid, daß ich Dich etwas durcheinander gebracht habe.

Die gleichstufige Temperatur und die Gleichschwebende Temperatur sind nach heutigem Gebrauch gleich. Der Halbtonschritt hat den Wert 12te Wurzel aus 2, das sind 100 Cent. Damit sind alle 24 Tonarten gleich in Ihrem Gesamtempfinden. Anders als die "wohltemperierten" Stimmungen, bei denen jede Tonart ein besonderes, anderes Empfinden hervorruft.

Die "Gleichschwebigkeit" hat sich im Sprachgebrauch eingeschlichen, weil die Klavier- und Orgelstimmer mit dem Kopf (mit Ohren) (und nicht mit dem Stimmgerät) arbeiten und die Intervalle der Temperierten Stimmungen mittels Schwebungen der Obertöne einrichten. Nur sind diese bei der gleichstufigen/gleichschwebenden Temperatur nicht gleich.

Schwebungen entstehen, wenn zwei Saiten mit unterschiedlicher Frequenz zusammenklingen: z.B. 330 Hz und 335 Hz. Diese beiden zusammenklingenden Saiten werden als gleich empfunden, die Lautstärke tremuliert aber mit 5 Hz. Man nutzt diesen Effekt z.B. im Orgelbau für die "Tremulant-Register". Auch meine alte Mundharmonika "Echoharp" nutzte diese Technik mit je 2 Stimmzungen pro Ton, die unterschiedlich gestimmt waren.

Auf Saiten oder Pfeifen entstehen immer Teiltöne, die die natürlichen Obertöne bilden. Diese Töne sind "rein" und reagieren mit den Obertönen der anderen, temperiert gestimmten Saiten/Pfeifen, die sich durch Schwebungen bemerkbar machen.

Betrachten wir einmal die Schwebungen der Intervalle in der gleichstufigen/"gleichschwebenden" Tonleiter eines Tasteninstrumentes:
Die Töne A = 110 Hz und c#= 138,6 Hz ( große Terz). Der 5. Oberton der A-Saite= c''# mit 550 Hz, der 4. Oberton der C#-Saite= c''# = 554,4 Hz. Die Differenz ist 4,4 Hz, das sind 4,4 Schwebungen je Sekunde. Die Töne A= 110 Hz und e= 164,8 Hz (Quinte). Der 3. Oberton der A-Saite= e mit 330 Hz, der 2te Oberton der e-Saite= 329,6 Hz. Die Differenz ist 0,4 Hz, das sind 0,4 Schwebungen pro Sekunde. So sieht es auch bei den anderen Intervallen aus, die alle unterschiedliche Schwebungen haben. Die Oktaven sind in jedem Fall gleich, hier gibt es keine Schwebung. Wo bitte ist jetzt das "Gleichwebend" geblieben?

Der Begriff "gleichschwebend" suggeriert , daß die Schwebungen der Obertöne gleich sind, deshalb ist er falsch. Richtig ist die Bezeichnung "gleichstufig". Wer diese Bezeichnung aufgebracht hat, weiß ich nicht, ich habe aber schon viel Unsinn gehört und gelesen: So schrieb z.B. jemand , der die gleichstufige Temperatur meinte, von der "gleichschwebend pytagoräischen Stimmung" (einschließlich Rechtschreibfehler).

Hier ist es wie mit dem "Schraubenzieher": Jeder weiß was gemeint ist, kann damit aber keine Schrauben "ziehen" sondern nur drehen. Deshalb wird er richtigerweise als "Schraubendreher" verkauft.

Auf unseren Bundinstrumenten stimmen wir die Saiten meist nach Oktaven, auf die Schwebungen der Intervalle nehmen wir meist keine Rücksicht. Wenn wir aber die Bünde auf diese Weise einrichten würden, wäre es notwendig, sich an den Schwebungen zu orientieren.

Ekkehard

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