Hinweis auf 4 seltene originale Lauten

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ENNEMOND2
Groß-Brummer
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Hinweis auf 4 seltene originale Lauten

Beitrag von ENNEMOND2 » Di 21. Apr 2015, 19:43

Ich wollte auf 4 SEHR interessante und seltene originale Lauten hinweisen, die anscheinend unter Lautenbauern und Lautenisten kaum bekannt sind:

1.) Der französische Lautenbauer C. Allard baute 1671 in Paris eine Laute, die einst sehr wahrscheinlich eine 11-chörige war und später zu einer 7-chörigen Mandorra umgebaut wurde:
http://carmentis.kmkg-mrah.be/eMuseumPl ... detailView
Es ist meines Wissens die einzige erhaltene Laute eines französischen Lautenbauers MIT originaler Decke und Bebalkung
(6 Quer-, 1 J-Baßbalken und 1 Diskantbalken). Ein kanadischer Lautenbauer hat Zeichnungen und baut sie nach.
Er meint, daß die Decke evtl. von einer älteren Laute aus dem 16. Jh. stammen könnte - französische Lautenbauer bauten ja gern ältere Instrumente um. Wäre schön, wenn auch europäische Lautenbauer dieses Instrument nachbauen würden,
da es für die französische Barocklautenmusik des letzten Viertels des 17. Jh. sehr passend erscheint. Dafür wäre dann gut zu wissen, wie hoch die originalen Balken sind.

2.) Eine meines Wissens noch nie nachgebaute interessante Laute stammt von Paulus Hiltz (Nürnberg, c. 1650), der auch Gamben baute: http://www.cs.dartmouth.edu/~lsa/associ ... php?PID=47
Sie ist im Musikinstrumentenmuseum Markneukirchen und hat 9 Späne und die Deckenmaße 45,5x29,5 cm bei einer Muscheltiefe von 15,8 cm. Sehr interessant für Reusner z. B.. Ich weiß sonst bisher nichts über diese Laute. Wäre schön, wenn sie mal gezeichnet werden würde.

3.) Ein weiteres sehr seltenes instrument findet sich im Depot des Historischen Museums von Frankfurt und stammt von D. Bochem (Köln, 1671) - Deckenmaße 48 x 30cm und Muscheltiefe 16cm. Das Instrument wurde anscheinend noch nicht einmal in neuerer Zeit genau beschrieben und katalogisiert, geschweigedenn gezeichnet - sollte mal ein Lautenbauer hinfahren und das tun.

4.) Eine weitere überaus interessante Laute stammt von J. K. Wolff (Straßburg, 1659): http://www.cs.dartmouth.edu/~lsa/associ ... hp?PID=772 . Auch dieses Instrument wurde anscheinend bisher nicht genau dokumentiert und gezeichnet und ist in einer Privatsammlung "verschwunden".

Nach meiner Einschätzung sind das alles sehr rare Modelle, die für Nachbauten sehr interessant wären, falls noch genügend Infos aus dem erhaltenen Material ableitbar sind.

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