Zusammenschluß zu einer Lautenbau-Gemeinschaft

Lute construction and maintenance
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ENNEMOND2
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Zusammenschluß zu einer Lautenbau-Gemeinschaft

Beitrag von ENNEMOND2 » Sa 3. Jan 2015, 19:57

Liebe Lautenisten,

hier ein Vorschlag für alle, die an dem relativ günstigen Erwerb einer Reihe verschiedener Lauten-Typen
interessiert sind: Neue Lauten bauen zu lassen, braucht meist nicht nur relativ viel Zeit sondern verschlingt auch beträchtlich viel Geld - besonders, wenn man an einer Reihe verschiedener Instrumente interessiert ist.
Auf dem Gebrauchtmarkt findet man oft nicht das gewünschte Instrument.
Eine Alternative wäre der Versuch, die gewünschte Laute SELBER zu bauen, was nach den Erfahrungen
einiger Lautenisten (etwa bei Lautenbaukursen) auch wirklich erstaunlich gut funktioniert: SO bekommt man eine Laute
viel günstiger und sogar schneller als bei den meisten Lautenbauern.
Mein Vorschlag wäre nun, daß sich mehrere Lautenisten ZUSAMMENTUN, um Lauten nach ihren Wünschen SELBER zu bauen:
Die Kosten für Werkzeug u. ä. könnte man sich teilen; das Material für die Lauten, die jeder Beteiligte will,
müßte jeder selber zahlen - aber alle könnten sich am Bau beteiligen. Und v. a. könnte man praktische und
theoretische Erfahrungen/Wissen, die einige mitbringen, miteinander teilen, was der Qualität der Lauten erheblich
zugute käme.
Es wäre also eine Art "Werkstatt-Gemeinschaft", in der die Beteiligten sich selber ihre schon seit langem
gewünschten Modelle selber bauen. Lautenbauer wie van Edwards (http://www.vanedwards.co.uk/class.htm), aber auch Blogs (e. g. http://cj12sings-baroquelute.blogspot.de/ und http://timslute.blogspot.de/) im WWW zeigen, daß es
selbst für Ungeübte möglich ist, eine einigermaßen gute Laute zu bauen - und mit der Erfahrung/Übung werden die
Instrumente wohl immer besser werden. Die Informationen/Pläne für Lauten sind über Museen/Bücher/Artikel und z. T.
sogar im WWW erhältlich. Man könnte so sogar Modelle bauen, die professionelle Lautenbauer gar nicht in ihrem
normalen Programm haben. Anleitungen zum Lautenbau und Artikel darüber gibt es reichlich in schriftlicher, aber
z. T. auch in Video-/Audio-Form. Gut wäre es natürlich, wenn bei so einer Werkstatt-Gemeinschaft von Lautenisten
auch mindestens einer dabei wäre, der schon praktische Erfahrungen mit Lautenbau hat.

Was haltet Ihr davon?

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TheByte
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Re: Zusammenschluß zu einer Lautenbau-Gemeinschaft

Beitrag von TheByte » Sa 3. Jan 2015, 21:18

Hallo,

interessant ist diese Idee allemal, fände ich sogar ganz gut... aber es gibt da so ein paar Sachen, die man bei der Überlegung miteinbeziehen müsste.
Zum Beispiel die Tatsache, dass es nicht unbedingt schneller gehen muss, wenn mehrere an einem Instrument werkeln (etwas falsch gemacht -> neu anfertigen, etc.) oder
wenn etwas an Werkzeug kaputt geht, was dann? Wer zahlt? Oder jemand macht die Lautenform kaputt :twisted:. Wie soll die Person dann bestraft werden? :mrgreen:
Du schreibst, es wäre anscheinend auch für Ungeübte möglich, einigermaßen passable Instrumente zu bauen. Stimmt schon, aber die "Ungeübten" sind meistens eher
"Nicht-Hauptberuflich-Holzhandwerker" als wirklich "heute Schlosser, morgen Lautenbauer, übermorgen Gärtner". Ich bin selbst nur Hobby-Rundkorpusinstrumente-Bastler, aber mir widerstrebt es fast,
jemandem ohne wirkliche Erfahrung (darum geht es ja, Lautenisten, die mal ein neues Instrument wollen, richtig?) einen Satz Werkzeuge zu geben (sicherlich auch nicht das Billigste),
mit kurzem "Crashkurs" natürlich, und dann am Ende möglicherweise zu sehen, dass Mensch, Werkzeug und Werkstück leiden ( :lol:).
Es müsste eine Art ständiger Workshop mit vielen "Experten" für die ganzen "Fachgebiete" sein, denen es die anderen Anwesenden "abschauen".

Aber der Gedankengang ist so spannend, könntest du das weiter elaborieren?

Freundliche Grüße.

P.S.: Wird es dann auch so tolle T-Shirts und so Zeug geben wie bei der GAL?

ENNEMOND2
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Re: Zusammenschluß zu einer Lautenbau-Gemeinschaft

Beitrag von ENNEMOND2 » So 4. Jan 2015, 15:36

Es geht schon schneller, sogar u. U. VIEL schneller, zusammen eine Laute zu bauen, sobald man ein eingespieltes TEAM ist
und Arbeitsteilung betreibt: Während z. B. 2 an der Muschel bauen, kann ein 3. den Hals machen, ein anderer macht
währenddessen das Griffbrett, während der nächste die Wirbel dreht etc.. Evtl. kann man das sogar irgendwann
so organisieren, daß die Leute mit den bereits fertigen Einzelteilen zusammenkommen und die jeweilige(n) Laute(n)
dann gemeinsam zusammenfügen. Historische Lautenbauer haben übrigens auch oft mit Arbeitsteilung gebaut -
sonst wären solch große Werkstätten wie etwa die von L. Maler gar nicht zu betreiben gewesen.
Bei Lautenbaukursen haben mehrere Leute unter Anleitung eine Laute sogar in nur ca. 1-2 Wochen (sic!) gebaut:
Wenn man gründliche Recherchearbeit im Vorfeld geleistet, das richtige Werkzeug, gutes Holz und etwas Übung erlangt
hat, läßt sich eine recht gute Laute mit etwas Übung wahrscheinlich recht zügig mit mehreren Leuten bauen. Das
wirklich Schwierige ist wohl, eine KLANGLICH erstklassige Laute hinzubekommen - dazu braucht man schon mehr
Erfahrung, Einfühlungsvermögen und auch WISSEN. Aber probieren wir's doch einfach mal. Ich bin optimistisch - man
kann unglaublich viel LERNEN, wenn man Willen, Grips und Ausdauer mitbringt. Also gute Lauten werden wir zusammen
wohl schon zustande bringen - ob SEHR gute, ist die Frage: Manchmal gelingt so etwas wohl auch quasi "zufällig"
(ist z. B. auch stark von der Deckenholzqualität abhängig).
Fehler kann man von vorneherein minimieren, indem man einfach mit großer Sorgfalt und Achtsamkeit zu Werke geht und
sich gegenseitig korrigiert. Falls Werkzeug kaputt gehen sollte (was eher unwahrscheinlich ist), sollte man sich die
Kosten teilen. Daß jemand eine Muschel oder Decke völlig ruiniert, kann wohl anfangs durchaus vorkommen - aber das
muß man dann einfach schlucken und WEITERmachen. Ganz ohne Fehler kann man wohl gar nichts lernen. Aber sobald so
eine Gruppe mal Übung hat, kann man da ziemlich flott zu Werke gehen, wenn man's gut organisiert: Praktisch wäre es,
wenn man an 2 Lauten gleichzeitig baut, so daß immer 2 Mitglieder der Gruppe mit einer fertigen Laute aus den
Treffen herausgehen können. Die Recherchearbeit (Pläne, Photos, Bebalkungen, Verzierungen etc.) für eine Laute
sollten am besten die übernehmen, die die jeweiligen Lauten dann auch bekommen und das Holz bezahlt haben. Es muß
auf jeden Fall wirklich gut organisiert sein: Wenn man sich trifft, muß alles vorliegen - alle Zeichnungen, das ganze Holz,
so daß man ohne Probleme loslegen kann.
Man muß sich vorher darauf einigen, welche Anzahl von Instrumenten wann gebaut werden soll - eine "Runde" von
Zusammenkünften wäre immer dann beschlossen, wenn jeder aus der Vereinigung ein fertiges Instrument erhalten hat.
Also wenn die Lautenbau-Vereinigung z. B. aus 8 Leuten bestehen würde und man für 2 Lauten ca. 1-2 Wochen braucht,
dann trifft man sich z. B. 4 mal im Jahr, damit jeder seine Laute bekommen kann.
Man könnte sogar evtl. zeitweise eine Werkstatt anmieten - z. B. in Füssen oder einem anderen schönen Ort -
dann könnte man das Ganze mit einem Urlaub verbinden.
Es muß übrigens kein Workshop voller Experten sein, sondern es genügt, wenn 1 oder 2 praktische Erfahrungen
mitbringen und aufpassen, daß die anderen keinen totalen Mist bauen.

Gutes neues Jahr übrigens! ;)

arezzo1685
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Re: Zusammenschluß zu einer Lautenbau-Gemeinschaft

Beitrag von arezzo1685 » Mo 17. Okt 2016, 20:16

Hallo zusammen,

durch Zufall bin ich gerade auf diese Diskussion gestoßen... Habt Ihr da mal etwas in die Tat umgesetzt? Gibt es vielleicht auch Interessenten in Berlin und Umgebung?

Viele Grüße,
Christian

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